Alice Neel – Painter of Modern Life | 13. Okt 2017 bis 14. Jan 2018 | Deichtorhallen Hamburg

GazelleYoung unterwegs mit der Künstlerin Maja Ilic durch Hamburger Ausstellungen, Teil 2

Unsere Spurensuche nach Künstlerinnen in einem Kunstbetrieb, der jahrhundertelang vornehmlich männlich geprägt war, geht weiter. Nach der Hamburger Künstlerin Anita Rée begegneten wir dieses Mal Alice Neel. Zwei sehr unterschiedliche Künstlerinnen, bei denen wir aber auch Gemeinsamkeiten entdeckt haben. Wir erlebten viele der Bilder von Alice Neel bedrückend, aber stark. Viele ihrer Werke entstanden in den 1960er und 1970er Jahren in New York.

 

Hartley and Ginny
Acrylfarbe auf Karton, 1970

Hartley and Ginny

Das Bild erinnert mich an die Jugendlichen von heute – wie sie für Fotos posieren. Obwohl das Gemälde vor langer Zeit gemalt wurde, präsentiert es heute die Mehrheit der Teenager und auch die Mehrheit der Menschen über 20 Jahre. Man könnte sagen, dass Alice Neel die heutigen Zeiten vorhergesehen hat. Das Bild regt meine Gedanken an, nicht nur über kleine Fragen, sondern solche, die in jedem von uns sind. Ich mag es wirklich, weil es etwas präsentiert, was passieren könnte und was passiert ist. Es ist, als hätte die Autorin des Bildes „vorausgesagt“, dass sich Jugendliche im 21. Jahrhundert mit dem Bild identifizieren. Zu mir zu sprechen schafft das Bild ganz einfach. Es spricht mich an und es fällt mir leicht, mit ihm zu kommunizieren. Obwohl es vor ungefähr 50 Jahren gemalt wurde, präsentiert es etwas, was jetzt sehr aktuell ist. Tatsächlich stellt es meiner Meinung nach das tägliche Leben dar. Das zweite Gesicht ist das eines Mannes, der die Maske trägt, die jeder von uns trägt.

betrachtet von Weronika Ferenc, Redakteurin

 

Windows (no 2)
Öl auf Leinwand, 1965
Windows (no 2)

Auf diesem Bild ist eine Hauswand mit Fenstern zu sehen. Auf den ersten Blick konnte ich nicht wirklich etwas Spannendes an dem Bild entdecken, doch als ich ein zweites Mal hinsah, begann ich nachzudenken, warum jedes Fenster so besonders für sich selbst ist. Bei dem einen sieht es durch die geschlossene Jalousie so aus, als wären die Leute nicht da oder hätten etwas zu verbergen. Im Stockwerk darüber könnte man denken, dass dort einfach eine ganz normale Familie oder ein älteres Ehepaar wohnt. Je länger ich das Bild betrachtete, desto mehr Ideen kamen mir. Das ist faszinierend! Man denkt sich nicht wirklich viel, aber wenn man länger überlegt, wird es ein starkes Bild, mit dem man sich lange befassen kann und das sich immer wieder in Erinnerung ruft.

betrachtet von Julia Fechner, Gestalterin

 

Sari Dienes
Öl auf Leinwand, 1976

Sari Dienes

Dieses Bild hat mich sofort angesprochen, als ich den Raum betrat. Wahrscheinlich lag es daran, dass es im Gegensatz zu den anderen Bildern auf mich nicht so bedrückend wirkte. Im Gegensatz: Es wirkte auf mich fröhlich und schrill. Die vielen bunten Farben und die verrückten Socken unterstützten den schrillen Eindruck. Es tat echt gut, nach all den bedrückenden Bildern mal eines zu sehen, was eine gewisse Freundlichkeit ausdrückt.

Zum Ende hin kann ich sagen, dass ich die Ausstellung von Alice Neel ganz gut fand, allerdings konnte mich die von Anita Reé persönlich mehr überzeugen.

betrachtet von Julia Fechner, Gestalterin

 

Robert Smithson
Öl auf Leinwand, 1962

Robert Smithson

Dieses Bild und auch die anderen Bilder, die Neel auf diese Art gemalt hat, gefallen mir besonders gut. Der Blick des Mannes wirkt auf mich eher finster, was durch seine kantigen Gesichtszüge unterstrichen wird. Dennoch zeigt sich für mich durch das angedeutete Grinsen seine Liebenswürdigkeit. Dadurch und durch die ruhige Farbkombination hat das Bild für mich eine ausgeglichene Ausstrahlung.

Bei diesem Bild gibt es im Vergleich zu vielen anderen Bildern der Ausstellung nicht so viel nachzudenken, man kann es einfach genießen und frisch gestärkt die restliche Ausstellung bewundern.

betrachtet von Jenny Stampli, Gestalterin

 

Hubert Satterfield and his girlfriend
Öl auf Leinwand, 1958

Hubert Satterfield and his girlfriend

Dieses Bild beeindruckt mich durch seine autarke Präsenz, die weder Distanz noch Nähe sucht. Die Künstlerin erklärt nichts, lässt aber auch keine Einordnung der Situation durch den Betrachter zu. Die Nähe der beiden Charaktere ist zwar sicht- und spürbar, doch was tatsächlich in diesem Moment zwischen ihnen geschieht, bleibt (kalkuliert) unlesbar. Es ist ein zweischneidiger Einblick, der einem gewährt wird – und provoziert die Nähe und die Distanz, die es selbst nicht braucht.

betrachtet von Maja Ilic, Künstlerin

 

Weiterführende Links
Alice Neel in den Deichtorhallen Hamburg
Dokumentation über Alice Neel

Ausstellungsbesuch
Öffnungszeiten Deichtorhallen
Dienstag – Sonntag 11-18 Uhr
1. Donnerstag im Monat 11-21 Uhr (außer an Feiertagen)
Montag geschlossen
Öffentliche Führungen: samstags & sonntags, sowie an gesetzlichen Feiertagen 16 Uhr; jeden 1. Donnerstag 19 Uhr

Gespräch über Kunst
Du möchtest dich noch mehr mit dem Thema Kunst befassen und stellst dir unter anderem die Frage, weshalb so viele berühmte Künstler Männer sind?
Das und vieles mehr erfährst du im Interview unserer Redakteurin Weronika Ferenc mit der Künstlerin Maja Ilic in unserer aktuellen Ausgabe, Gazelle Young 6.

Weitere Ausstellungstermine
Auf unserem Blog stehen bald Informationen über unsere nächsten Ausstellungsbesuche mit Maja Ilic. Gäste sind willkommen! Anmeldung per E-Mail an gazelle.young7@gmail.com oder über unser Kontaktformular.

Aktuelles zu uns und unseren Aktivitäten erfahrt ihr am schnellsten über Facebook.

Text: Weronika Ferenc, Maja Ilic, Julia Fechner, Jenny Stampli
Fotos vom Ausstellungsbesuch: privat

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